Jahresbericht 2015

Weltweit ist Gewalt gegen Frauen immernoch ein grundlegendes gesellschaftliches Problem.

Gewalt gegen Frauen ist dabei auch ein systematisches Mittel innerhalb der Gesellschaft das Fortbestehen patriarchaler Herrschaftsideologien zu sichern. Auch in Länder, in denen gesetzlich Frauenrechte geschützt werden, gibt es leider kaum tatsächlichen Schutz vor Übergriffen und Diskriminierung. So erleben laut Studien der Europäischen Union jährlich ca. 26 Milionen Frauen Gewalt und bis zu 108 Milionen Frauen werden sexuell belästigt.

Im Mittleren Osten leisten Frauen Widerstand gegen patriarchale Sichtweisen und werden zugleich Opfer der Gewalt und des Krieges eines patriarchalen Herrschaftssystemes. 1000'ende Frauen und Kinder wurden gezwungen aus ihrer Heimat zu flüchten und viele von ihnen haben auf diesem Weg ihr Leben verloren. Diejenigen, die trotz aller Schwierigkeiten sogenannte “sichere Gebiete” erreichen, erleben in Flüchtlingscamps widerum sexueller Gewalt und Belästigungen.

Flüchtlinge, die in andere Länder unterstützung suchen, sind unerwünscht und zum Teil mit unmenschlichen Bedingungen konfrontiert. Sie erleben ebenso körperliche wie psychische Gewalt.

 In Kurdistan führt der türkische Staat einen fasistischen Krieg gegen die Bevölkerung in dem zuallererst Frauen und Kinder von Massakern, Morden und Gewalt betroffen sind. Junge und Alte Frauen, Schwangere und Säuglinge werden zur Zielscheibe und sind Kriegsmittel in einem Genozid an der kurdischen Bevölkerung.

In Norddeutschland wurde eine Frau von ihrem Ehemann unter Schlafmittel gesetzt und anschließend angezündet. Zurselben Zeit wurde eine andere Frau von ihrem Ehemann brutal geköpft. Während der Sylvesternacht wurden in Köln sowie anderen europäischen Städten hunderte Frauen in der Öffentlichkeit sexuell belästigt, beschimpft und vergewaltigt.

Hinzu kommen zig-tausende Frauen, die in der Familie oder Partnerschaft sexuelle, physische, psychische, ökonomische und weitere Formen von Gewalt erleben. Einige sind auf der Suche nach Auswegen und suchen Unterstützung in Fraueneinrichtungen und Beratungsstellen. Andere sehen die erlebte Gewalt als rechtmäßig und ertragen diesen Zustand über Jahre hinweg.

Dies alles sind Beispiele, die die Systematik von Gewalt gegen Frauen immer wieder vor Augen führen. Sie zeigen uns zugleich wie wichtig und notwendig es ist, dass Frauen sich selbst bewusst werden, sich gemeinsam organisieren und sich gegenseitig stärken müssen um dieses patriarchale, gewaltvolle System und seine Denkweisen zu überwinden. Dafür ist es notwendig, dass Frauen, patriarchal zugewiesene Geschlechterrollen und Aufgaben, aber ebenso kapitalistische Denkweisen, die Frauen als sexuelles Objekt ausnutzen und ein falsches Freiheitsverständnis vermitteln, hinterfragen und ablehnen, sowie in diesem Bewußtsein ihre Kinder erziehen.

Als Frauenbegegnungsstätte UTAMARA e.V. war auch 2015 eine der wichtigsten Ziele unserer Arbeiten und Projekte dieses Bewusstsein zu vermitteln.

 

Tätigkeiten und Projekte

 

Seit der Jahresvollversammlung im Februar 2015 ist ein arbeitsreiches und aktives Jahr vergangen. Dabei waren die Arbeiten und Projekte daran ausgerichtet, die Beschlüsse der Vollversammlung umzusetzen sowie entsprechend gesellschaftlicher und Frauenspezifischer Bedürfnisse und Problemlagen nachhaltige Ansätze und Lösungen zu schaffen und weiterzuentwickeln.

 

1. Projekte

“Gemeinsam sagen wir NEIN zu Brautgeld, Zwangsheirat und Ehrenmorde!”

Im Rahmen der grundlegenden Arbeiten gegen Gewalt gegen Frauen wurde das 2014 begonnene, hauptsächlich von der Aktion Mensch geförderte Projekt: Gemeinsam sagen wir NEIN zu Brautgeld, Zwangsheirat und Ehrenmorden!” fortgeführt und 40 Seminare und Veranstaltungen durchgeführt. In den Seminaren war es möglich ein Bewusstsein für kulturell, religiös und traditionell begründete geschlechtspezifische Gewalt innerhalb der Gesellschaft zu schaffen.

Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit des Projektes wurden Faltblätter in den Sprachen deutsch, kurdisch, türkisch, persiche, arabisch und albanisch erstellt und verteilt. Für die Kampange “Nein zu Brautgeld” haben wir an Programmen im muttersprachlichen Fernsehn teilgenommen sowie in Schriftmedien Artikel veröffentlicht.

Ein Ergebniss der Arbeiten war die im Januar durchgeführte Konferenz an der Frauen aus verschiedensten Städten, Vereinen, kulturellen und religiösen Gemeinden teilnahmen. Die stattgefundenen Diskussionen verdeutlichten nochmals, dass diese Formen geschlechtsspezifischer Gewalt innerhalb der Gesellschaft andauern und es notwendig ist weiterhin und langfristig in Form von Aktionen, Seminaren und verschiedensten Angeboten dagegen anzukämpfen. Dafür wurde auf der Konferenz die Durchführung einer Aktions-Kampange beschlossen.

 

“Frauen stärken Demokratie!”

2015 haben wir mit dem 5-jährigen Projekt “Frauen stärken Demokratie” begonnen, das vom BMFSFJ (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) gefördert wird. Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit den Verbänden FEDA (Föderation der demokratischen Alewiten) und CÎK (Föderation der Kurdischen Muslimischen Gemeinden) umgesetzt und arbeitete 2015 partnerschaftlich mit den Moscheegemeinden in Hagen, Wuppertal und Essen sowie dem alewitischen Gebetshaus in Alzey. Im Rahmen des Projektes wurden 11 Seminare durchgeführt. 4 Gruppen von Frauen aus den jeweiligen Gemeindan nahmen an Bildungswochenenden in der Frauenbegegnungsstätte teil. Im Rahmen der Netzwerkarbeit wurden Bundesweit an themenspezifischen Veranstaltungen und Fach-Konferenzen teilgenommen.

 

Im Rahmen des Projektes wurde unter dem Motto “Junge Frauen stärken Demokratie” ein einwöchiges Ferienbildungscamp für junge Frauen durchgeführt. Daran haben 26 Mädchen und junge Frauen teilgenommen. In verschiedenen Seminaren und Aktivitäten zu den Themen, Identität, Kultur, Rolle von Frauen, Gewalt, Medienkompetenz und Demokratie konnten sie sich untereinander Austauschen, demokratisches Zusammenleben erproben und ihr Selbstbewusstsein stärken.

 

2. Beratung

Beratung und Unterstützung bei geschlechtsspezifischer Gewalt

Eines der wichtigsten Arbeitsbereiche der Frauenbegegnungsstätte ist die ehrenamtliche und mutterschprachlich durchgeführte Beratung für Migrantinen. 43 Frauen haben diese mit der Anfrage um Unterstützung 2015 neu in Anspruch genommen. Schwerpunkte waren dabei, Gewalt in der Familie und Partnerschaft sowie geschlechtspezifische Diskriminierung. 10 der Frauen haben sich mit ihren Kindern zeitweise in der Begegnungsstätte aufgehalten und wurden intensiv betreut.

Die Vernetzung sowie der fachliche Austausch in der Region wurde u.a. durch die regelmäßige Teilnahme am Runden Tisch gegen Gewalt in engen sozialen Beziehungen des Kreises Neuwied sowie an überregionalen Fachtagungen gewährleistet.

 

Beratung und Unterstützung von Flüchtlingen

Auf Grund des gestiegenden Bedarfes an sprachlicher und interkultureller Kompetenz in der Unterstützung von Flüchtlingen wurden 2015 im Kreis Neuwied auf Anfrage von Gemeinden und öffentlichen Institutionen (wie z.B. Schulen) sowie von Paten vermehrt ehrenamtlich Beratungs- und Übersetzungstätigkeiten für geflüchtete Frauen und Familien durchgeführt.

 

3. Internationaler Frauentag am 8.März und Aktionstag gegen Gewalt am 25. November

Als Mitglied des Arbeitskreises Internationaler Frauentag im Kreis Neuwied beteiligten wir uns auch 2015 gemeinsam mit verschiedesten Frauenorganisationen an der Vorbereitung einer Veranstaltung zum 8. März in Neuwied. Für die Vorbereitungen für 2016 haben wir regelmäßig an den Sitzungen des Arbeitskreises teilgenommen.

Zum Internationalen Aktionstag gegen Gewalt gegen Frauen, dem 25. November haben wir an den gemeinsamen Info-Ständen des Runden Tisches gegen Gewalt in engen sozialen Bezieungen teilgenommen.

Darüber hinaus wurden anläßlich beider Tage bundesweit Seminare zu geschlechtsspezifischer Gewalt, Sexismus und ähnlichen Themen durchgeführt.

 

4. Schreibaufruf “Jede Frau hat eine Geschichte”

Das Schreibprojekt “Jede Frau hat eine Geschichte” wurde auch 2015 mit einem Aufruf an Frauen ihre Geschichten und Gedichte einzusenden fortgeführt. Die Vorbereitungen zum zweiten Buch der Reihe konnte 2015 abgeschlossen werden. Das Buch wurde im Sommer 2015 veröffentlicht und bei einer Lesung in der Frauenbegegnungsstätte sowie in verschiedenen Zeitungen der Region vorgestellt. Die Vorbereitung des dritten Buches wurden begonnen.

 

5. Wochenend-Kurse und Gruppen

2015 wurden mit Förderung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) 3 Frauenkurse durchgeführt an denen 32 Frauen je 20 Stunden teilnahmen. Darüber hinaus nutzten ca. 200 Frauen verschiedener Gruppen und Vereine u.a. aus Berlin, Mannheim, Rüsselsheim, Mainz, Hannover, Offenburg, Ludwigshafen und Paris die Räumlichkeiten der Frauenbegegnungsstätte für Projekte, Bildungswochenenden und Konferenzen und nahmen an Seminaren zu Themen wie Gesellschaftlicher Sexismus, geschlechtsspezifische Gewalt oder Frauengeschichte teil.

 

6. Veranstaltungen und Ferienprogramm

Zum Muttertag wurde ein gemeinsamer Nachmittag mit kulturellem Programm organisiert, an dem 60 Frauen verschiedener Nationalitäten teilnahmen. Zum zweiten Mal wurde mit Unterstützung der Stadt Linz ein internationales Kinderfest, mit verschiedenen Aktivitäten für Kinder und einen bunten Bühnenprogramm organisiert. In den Sommerferien wurde das jährliche Camp für Mütter mit Kindern durchgeführt. Ebenso hat zum zweiten Mal ein Kinderferienwochenende stattgefunden, an dem 22 Kinder aus der Region teilgenommen haben.

 

7. Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit

Im Rahmen der Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit, wurden regelmäßig in der regionalen sowie muttersprachlichen Presse über Veranstaltungen der Frauenbegegnungsstätte berichtet. Regional sowie bundesweit wurden auf verschiedenen Festen, Messen und Veranstaltungen insgesamt 8 Info-Stände eröffnet, an denen Informationsmaterialen verteilt und Spenden gesammelt wurden. An Fachtagungen und Versammlungen der Netzwerke des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes, der Regionalen Ortsliga des Kreises Neuwied, der Arbeitgemeinschaft der Beiräte für Migration und Integration (AGARP) wurde themengebunden teilgenommen. Mehrfach besuchten Vertreterinnen anderer Einrichtungen und Institutionen die Frauenbegegnungsstätte um die Arbeiten und Projekte kennenzulernen. 2 Mitfrauen beteiligen sich aktiv an den Arbeiten des Beirates für Migration und Integration im Kreis Neuwied.

 

8. Mit-Frauen

Seit letztem Jahr arbeiten wir beständig daran fehlende Adressen und Telefonnumern von Mitfrauen herauszufinden. Immernoch können wir 67 der Mitfrauen wegen fehlender bzw. falscher Adressen und Daten weder postalisch noch telefonisch erreichen. Wir bemühen uns weiterhin diese zu aktualisieren, zählen betroffenen Frauen jedoch solange nicht zu ordentlichen Mitfrauen des Vereines. Ordentliche Mitfrauen sind damit aktuell 240. Davon leisten 172 regelmäßig Mitgliedsbeiträge. 68 Frauen zählen zurzeit im ideellen Sinne als Mitfrauen des Vereines.

Auf Basis der Entscheidung der letzten Vollversammlung wurde vierteljährlich in Form eines Info-Briefes an alle Mit-Frauen über die Aktivitäten der Frauenbegegnungsstätte berichtet und versucht darüber die Beziehung zu den Mit-Frauen lebendig zu halten. Die Betreung der Mit-Frauen muss eine der wichtigsten Arbeiten der Frauenbegegnungsstätte sein. Trotz entsprechender Bemühungen bleibt diese Arbeit jedoch oft unzureichend. Im Verlaufe des Jahres 2015 konnten wir 14 Mitfrauen neu gewinnen, 1 Frau hat ihre Mitgliedschaft gekündigt.

 

9. Tätigkeiten des Vorstandes

Die Vorstandssitzungen haben regelmäßig stattgefunden. Auf Grund der beruflichen Tätigkeit, Studium sowie familiärer Verantwortungen war die Beteiligung an den Arbeiten durch den Vorstand nicht so aktiv wie nötig. Für das kommende Jahr bemüht sich der Vorstand daher um eine aktivere und verantwortungsbewusste Beteiligung an den geplanten Veranstaltungen und Aufgaben der Frauenbegegnungsstätte.

FRAUENWELTEN - Interkulturelles Erzähl- und Themencafé

Aktuelle Veranstaltungen

Aktuelle Termine finden Sie auch auf unserer Facebook-Seite (@UTAMARA.06)

 

15.06.2019 13:00-17:00 Uhr Kinderfest Regenbogen der Kulturen in Linz (Rhein)

19.07.2019 - 21.07.2019 Sommerfreitzeit für Kinder von 7- 13 J.

26.07.2019 - 01.08.2019 Mutter-Kind-Sommerfreizeit

 

... für mehr Infos und Anmeldungen rufen Sie uns einfach an (02644-602424)

Gewalt ist kein Schicksal

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