Jahresbericht 2014

In vielen Ländern ist Gewalt gegen Frauen immer noch eines der schwerwiegendsten gesellschaftlichen Probleme. Jedes Jahr sterben hunderte Frauen, weil es an notwendigen Schutz vor Gewalt fehlt.

2014 war ein besonders schweres Jahr und in sehr hohem Maße von Gewalt und Brutalität geprägt. Jedoch zeigt diese Wirklichkeit wie dringend und lebensnotwendig es ist, eine Gesellschaft zu entwickeln, die Patriarchat als Herrschaftsform überwindet und Leben und Wirken von Frauen in ihren Mittelpunkt stellt.
In Schengal, Indien, der Ukraine, in Nigeria, in Mexiko und vielen anderen Regionen wo die schwersten Grausamkeiten gegen Frauen und die Menschheit verübt wurden und noch immer werden, wird wiederum deutlich wie brutal patriarchale Herrschaft ist. Wenn wie in Schengal Frauen auf Sklavenmärkten verkauft werden, zeigt das patriarchale System seine extremsten Ausprägungen.

So wie im Mittleren Osten und in Afrika z.B. Kinderheirat durch Gesetze legalisiert wird, so werden in Europa auf anderen Wegen Angriffe gegen Frauen geführt. Immer noch sind Arbeitsbedingungen für Frauen schwieriger und wird ihre Arbeit gegenüber Männern geringer wertgeschätzt. Rechte, Werte und Räume, die sich Frauen in Europäischen Ländern erkämpft haben, werden ihnen immer wieder genommen. So sehr wie es in der gesamten Welt einen Anstieg von Gewalt gegen Frauen gibt, so erlebt auch Europa diesbezüglich Rückschritte. Alleine in unserer Region wurden - soweit öffentlich bekannt - in den letzten 3 Monaten 3 Frauen ermordet.

Zu den gesellschaftlichen Probleme, die uns erreichen, gehört auch, dass immer noch junge Frauen zwangsverheiratet werden. Familien nähern sich auf „traditionell-konservative Weise“ ihren Problemen und bewirken damit oft, dass diese sich noch vertiefen. Diese Herangehensweisen führten dazu, dass in letzter Zeit viele junge Frauen aus ihren Familie flüchteten.

Auf Basis der Diskussionen der 8. Mitgliedervollversammlung und den dort getroffenen Vorschlägen und Entscheidungen zur Förderung von Frauen und der Bewirkung gesellschaftlicher Veränderungen, wurde das Jahr 2014 mit großer Stärke begonnen.

Eine unserer vorrangigsten Arbeiten war das Projekt: „Gemeinsam sagen wir Nein zu Brautgeld, Zwangsheirat und Ehrenmorden! und die damit verbundene Kampagne „Nein zu Brautgeld!“. Grundlage des Projektes war die Tatsache, dass diese Themen innerhalb unserer Gesellschaft noch immer täglich gelebt werden und es dringend erforderlich ist, diese rückständigen Bräuche zu beenden. In den schriftlichen und visuellen Medien wurden dazu Presseerklärungen veröffentlicht und auf das Projekt und insbesondere auf die Kampagne aufmerksam gemacht. Zur Kampagne wurde eine Broschüre vorbereitet und in den Sprachen Kurdisch und Türkisch in einer Auflage von jeweils 1500 sowie in der Sprache deutsch in einer Auflage von 2000 Exemplaren gedruckt und verteilt. Ebenso wurde eine Broschüre unter dem Titel „Gemeinsam sagen wir Nein zu Brautgeld, Zwangsheirat und Ehrenmorden! vorbereitet.
Im Rahmen des Projektes wurden 2014 - bundesweit 35 Seminare durchgeführt und darüber hinaus auf verschiedensten Veranstaltungen thematisiert.

In den veranstalteten Seminaren konnten wir feststellen, dass Brautgeld, im Gegensatz zu Zwangsheirat und Ehrenmorden, die von einem großen Teil der Gesellschaft zumindest abgelehnt werden, nicht als Ausdruck eines Unterdrückungsverhältnis von Frauen in der Gesellschaft wahrgenommen wird.

Während den Seminaren brachten einige der Teilnehmenden zum Ausdruck, dass sie Brautgeld rein als kulturelle Tradition verstehen und damit auch kein Problem in der Annahme von Brautgeld sehen. Andere verstehen Brautgeld allein als ein Tauschwert ohne sich der dahinter liegenden Degradierung von Frauen als Ware bewusst zu sein.
Da Brautgeld heute in vielfältigsten Formen fortgeführt wird und mittlerweile oft andere Bezeichnungen gebraucht werden, ist auch der Eindruck entstanden, dass Brautgeld schon längst nicht mehr existiert. Jedoch in der Praxis findet Brautgeld immer noch Anwendung. Dies verdeutlicht auch, dass bisher nur ein kleiner Teil der Gesellschaft Brautgeld als „patriarchale Einstellung“ begreift.

Um das Projekt und die Kampagne bekannt und greifbar zu machen, wurde an Fernsehprogrammen teilgenommen und Informationsstände eröffnet. Auf diese Weise konnten wir diese wichtigen Themen immer wieder auf die Tagesordnung bringen. Einige Frauenorganisationen wie z.B. der Ezidische Frauenrat haben sich für die Unterstützung der Kampagne entschieden. Das Projekt dauert weiterhin an.

Weitere Projekte, die 2014 vorbereitet und durchgeführt wurden waren:  eine Sommerferienfreizeit für Kinder, das Internationale Kinderfest, vom BAMF (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge) geförderte Frauenkurse sowie ein Bildungsprojekt gemeinsam mit Frauen aus Kamerun.

Im Rahmen des vom Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderten Bundesprogrammes „Demokratie leben!“  wurde im Herbst 2014 kurzfristig zu Interessenbekundungen aufgefordert an derer wir uns beteiligten.  Mit dem 4,5 Jährigen Projekt: „Frauen stärken Demokratie – gegen Islamismus!“ wurden wir gemeinsam mit 35 anderen Vorschlägen als Modellprojekt ausgewählt. Das Projekt startete am 01.02.2015 und wird in Zusammenarbeit mit religiösen Einrichtungen wie Moscheen und Cem-Häuser durchgeführt. Es richtet sich insbesondere an Mütter und Familien aus Herkunftsländern des Mittleren Ostens und junge Frauen mit Migrationsgeschichte mit dem Ziel als Frauen in der eigenen Persönlichkeiten, in Familie und der Gesellschaft demokratische Strukturen und Denkweisen zu stärken und damit nicht-demokratischen Ansichten, bis hin zu faschistischen Organisationen wie IS keinen Raum zu geben.

Eine der grundlegenden Arbeiten von UTAMARA ist die telefonische Beratung. 63 Frauen haben sich 2014 mit der Bitte um Unterstützung an uns gewandt. Die Anfragen umfassten vor allem Gewalt innerhalb der Familie, psychischer Druck, rechtliche Probleme sowie die Erdrückung von jungen Menschen zwischen zwei Kulturen und ihren Widersprüchen. Insbesondere junge Frauen, die mit solchen Problemen konfrontiert sind, flüchten aus der Familie.
Eines der Ergebnisse, die wir aus den Beratungen gewinnen konnten ist, dass Ehen auf keiner gesunden Basis geschlossen werden. Immer noch heiraten junge Menschen die sich nicht gut kennen entsprechend den Wünschen der Familie. Ehen werden in Formen der Brautwerbung, innerhalb der Verwandtschaft oder auch mit einer Braut aus der Heimat geschlossen.
Diese Formen der Heirat bringen vielfältige Probleme mit sich und sind Grund für darauf folgende Trennungen oder Gewalt.
In der Beratung bemühen wir uns, die Probleme unter Berücksichtigung der Meinungen und Gedanken beider Seiten zu erfassen und entsprechend passende Lösungen zu finden. In Einzelfällen haben wir Frauen die Möglichkeit gegeben, für einige Zeit bei uns zu bleiben, damit sie sich in einer ruhigen und stressfreien Atmosphäre, Zeit für richtige Entscheidung nehmen können.

Neben Projekten und der Beratung wurden auf Anfragen für Gruppen Bildungsangebote durchgeführt. Zu den Themen der Bildungsangebote gehörten unter anderem  „Gesellschaftlicher Sexismus“,  „Frauensolidarität und Organisierung von Frauen“ ,  „Junge Frauen und Konflikte zwischen zwei Kulturen“, „Bewusstseinsbildung als Frau“ , „Die Rolle der Frau in gesellschaftlichen Veränderungsprozessen“ und das Thema „Feminizid“.  Dabei lag die methodische Zielsetzung der Bildungsangebote  insbesondere darauf das Selbstbewusstsein von Frauen zu fördern und sie in ihrer Ausdrucksfähigkeit zu stärken.

Als Mitglied des Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverbandes (DPWV) haben wir aktiv an Fortbildungen, und Konferenzen des Verbandes teilgenommen. Die dreijährige Fortbildungsreihe für Migratenselbst­organisationen des DPWV haben wir 2014 erfolgreich abgeschlossen.

Die bestehenden Beziehungen zu anderen Einrichtungen und Institutionen des Landkreises Neuwied haben wir fortgeführt und gemeinsame Aktivitäten durchgeführt. Dazu gehörten die Teilnahme am Runden Tisch gegen Gewalt in engen sozialen Beziehungen sowie die Vorbereitung der Veranstaltung zum 8. März.
Im Rahmen der Neuwahlen des Beirates für Migration und Integration haben wir 2 unserer Mitfrauen als Kandidatinnen vorgeschlagen, die sich an den Wahlen beteiligten und mit Erfolg gewählt wurden. Beide führen die Arbeiten im Beirat engagiert aus.
Wegen der vermehrten Aufnahme von Flüchtlingen in der Region stehen wir ebenso im engen Kontakt mit der Verbandsgemeinde und unterstützen im Rahmen unserer Möglichkeiten Familien durch Beratung und Sprachmittelung.

Das Kinderfest, das als Kulturfest bisher in den Räumlichkeiten der Frauenbegegnungsstätte veranstaltet wurde, wurde diesjährig erstmals in der Innenstadt von Linz durchgeführt. Wir konnten dadurch auch Frauen und Familien unterschiedlichster Kulturen erreichen.
Auch wenn das Kinderfest erstmalig außerhalb stattgefunden hat, war es doch erfolgreich. Als ein Ergebnis des Kinderfestes haben wir begonnen eine internationale Kindertanzgruppe aufzubauen. Bisher lassen sich die Treffen jedoch auf Grund schwieriger Anfahrtswege für die Kinder noch nicht regelmäßig durchführen.

Anstelle der Frauensommerfreizeit mit ihren Kindern haben wir 2014 eine Sommerfreizeit ausschließlich für Kinder durchgeführt, mit dem Ziel ihre Bedürfnisse mehr in den Mittelpunkt unserer Arbeiten zu stellen. Mit einer Teilnahme von über 20 Kindern bewerten wir dieses Konzept als erfolgreich.

Das erste Buch unserer Reihe „Jede Frau hat eine Geschichte ist fast vollständig verteilt. Der zweite Teil wurde vorbereitet, redigiert und in den Druck gegeben. Das dritte Buch ist in der Vorbereitung. Am 25. November wurde der 4. Aufruf zu neuen Einsendungen begonnen. Die entsprechenden Arbeiten werden weiter verfolgt.

Nach den Angriffen auf Schengal im August 2014 und den Massakern an Ezidischen Frauen, haben wir uns in Zusammenarbeit mit anderen Fraueneinrichtungen der Solidaritäts-Kampagne „Die Freiheit der Frauen in Schengal ist die Freiheit der Menschheit!“ angeschlossen. Im Rahmen der Kampagne haben wir einerseits an der Entwicklung von Projekten Vor-Ort mitgewirkt. Anderseits haben wir  im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit Informationsstände und Veranstaltungen durchgeführt sowie ein Dossier zur Situation von Frauen erarbeitet, dass an über 400 Institutionen, Medien und Personen weitergegeben wurde.

Eine ebenso wichtige Arbeit ist die Kontaktpflege mit den Mitfrauen des Vereins. Wir haben uns bemüht im Rahmen unserer Projekte und Veranstaltungen insbesondere alle Mitfrauen anzusprechen. Jedoch ist dies nicht ausreichend gelungen. Selbstkritisch müssen wir die Arbeiten in diesem Verantwortungsbereiches als unvollständig bewerten.

Die Vorstandssitzungen haben regelmäßig stattgefunden. Aus persönlichen Gründen konnte eine der Vorstandsfrauen ihrer Funktion nicht mehr aktiv ausüben. Eine der Vorstandsfrauen hat sich auf Grund problematischer Annäherung gegenüber der Begegnungsstätte vollständig aus den Arbeiten zurückgezogen. Insgesamt hätte der Vorstand eine aktivere Rolle in den Arbeiten der Frauenbegegnungsstätte einnehmen können.

FRAUENWELTEN - Interkulturelles Erzähl- und Themencafé

Aktuelle Veranstaltungen

Aktuelle Termine finden Sie auch auf unserer Facebook-Seite (@UTAMARA.06)

 

15.06.2019 13:00-17:00 Uhr Kinderfest Regenbogen der Kulturen in Linz (Rhein)

19.07.2019 - 21.07.2019 Sommerfreitzeit für Kinder von 7- 13 J.

26.07.2019 - 01.08.2019 Mutter-Kind-Sommerfreizeit

 

... für mehr Infos und Anmeldungen rufen Sie uns einfach an (02644-602424)

Gewalt ist kein Schicksal

 Gewalt ist kein Schicksal

NEIN zu Brautgeld!

Jede Frau hat eine Geschichte